Der Siedewasser-Druckröhrenreaktor ist ein Reaktor russischer Bauart. Er wird deshalb auch als RBMK bezeichnet. Die Funktion dieses Reaktors wird wieder an einem Beispiel erklärt. Der Begriff RBMK bedeute, dass es ein heterogener, wassergekühlter, graphit moderireter Druckröhrenreaktor handelt. Dieser Typ kommt meist in Russland vor, so ein Reaktortyp war an der Katastrophe von Tschernobyl beteiligt. Bei diesem Reaktor wird wieder Wasser als Kühlmittel eingesetzt und die Brennelemente bestehen aus Uran mit der natürlichen Isotopenzusammensetzung. Bei unserem Beispiel besteht der Reaktor aus etwa 1700 Graphitziegeln. In diesen werden senkrecht Drückröhren gebohrt, in denen immer zwei Brennelemente übereinander hängen. Dieser Block ist nicht mit einem Druckbehälter ausgestattet, sondern er wird nur mit einem Stahlbehälter umkleidet. Um Graphitbrände im inneren dieses Blockes zu vermeiden ist der freie Raum mit einem Schutzgas (He) gefüllt. Wie üblich findet in den Brennelementen Kernspaltung statt. Diese Wärme führt zum verdampfen des an den Brennelementen vorbei strömenden Wassers. Von dort gelangt nun der Dampf und ein Teil des Wassers (das komplette Wasser verdampft nicht) zu dem so genannten Dampfabscheider (7). Diese Apparatur sorgt dafür, dass sich das Wasser vom Dampf trennt. Das Wasser fließt zurück in den Reaktor, während der Dampf zu einer Turbine geleite wird. Diese Turbine ist mit einem Generator verbunden, der Strom erzeugt.
Der Vorteil dieses Reaktors ist, dass der gesamte Aufbau einfacher und schneller zu fertigen ist, außerdem ist es möglich während des Betriebes einen Brennelementwechsel vorzunehmen. Allerdings gehört dieser Reaktor zu den gefährlichsten, da seine Bauweise und der fehlende Sicherheitsbehälter ihn zu einer sehr instabilen Konstruktion machen. Sollte ein Fehler vorliegen ist der Reaktor sehr schwer zu kontrollieren, da bei einer Überhitzung des Kühlmittels die Moderationswirkung durch das Graphit noch verstärkt wird. Wenn sich aber das Graphit erhitzt gibt dieses seine Wärme auf das Wasser ab. Durch diesen Pingpong-Effekt können fatale Folgen entstehen, deswegen ist dieser Reaktor sehr gefährlich. Nach dem Unglück von Tschernobyl ist dieser Reaktor nicht mehr gebaut worden, allerdings sind heute noch einige verbesserte Modelle in Russland am Netz angeschlossen.


